Das Friesensalz und seine Geschichte

Von Hindrik de Sölter (Wolfgang Lennarz)

Vor langer Zeit, es muss so um die Zeitwende gewesen sein, lebten schon die Friesen an der Nordseeküste. Da Bäume eher selten waren, haben sie auch mit Torf geheizt. Diese kam nicht nur aus den Mooren, sondern auch aus dem Wattenmeer, wo er ab und zu frei lag.

Als nun einer Friesin beim Kochen zufällig mal ein Stück Essen ins Feuer viel, stellte sie fest, dass es besser schmeckte, da die Asche Salz enthielt. Dass die Nordsee salzhaltig ist, war ja schon bekannt. Aber der Torf? Das musste sich doch ausnutzen lassen, denn Salz war in früheren Zeiten sehr begehrt und auch teuer.

Daraus haben die Friesen dann die Methode zur Gewinnung von Friesensalz entwickelt. Zunächst wurde der Salztorf abgebaut. Wahrscheinlich die erste Methode zeigt sich heute noch durch runde Mulden im Watt, da haben dann die ersten Friesen das ausgegraben, was sie innerhalb einer Ebbe so wegschaffen konnten. Später lag der Salztorf, geschützt unter einer Schlickschicht, auch mal längere Zeit trocken, so dass man ihn wie in den Mooren systematisch stechen konnte, da zwischendurch keine Flut darüber kam. Später wurden die Salztorfvorkommen dann wieder regelmäßig von der Nordsee überspült, so dass man wieder nur bei Ebbe Salztorf holen konnte. Dazu wurden dann während der Ebbe rechteckige Gruben ausgehoben und die jeweilige Portion abtransportiert. Lag der Torf längere Zeit frei und wurde nicht von der Nordsee überspült sondern nur vom Regen, so wurde das Salz wieder ausgespült. Der Salzgehalt war allerdings nicht höher als der der Nordsee, nämlich ca. 3%.

An Land musste man den Salztorf dann zerkleinern und trocknen. Dann erst konnte er verbrannt werden. Dazu wurde er in Meiler aufgeschichtet, da er sonst nicht brennt. Die salzhaltige Asche war dann eine erste Konzentrationsstufe auf dem Weg zur Salzgewinnung. Dies waren Arbeiten, die nur im Sommer durchzuführen waren, da das Wetter sonst zu unzuverlässig und die Seefahrt zu gefährlich war. Die Asche wurde dann in einer Art Briketts zu Mieten aufgeschichtet und mit Erde abgedeckt, damit der Regen das wertvolle Salz nicht vorzeitig herauswaschen konnte. Aus diesem Vorrat holten sich die Salzsieder dann Ihre jeweilige Tagesportion, die sie in großen Trichtern immer wieder mit Meerwasser übergossen, so dass Sole entstand. Den Salzgehalt der Sole konnte man mit einem rohen Ei messen, welches bei entsprechend hoher Salzkonzentration oben schwimmt. Es fungiert also als Dichtemesser. Diese Sole enthielt nun 20% bis maximal 26% Salz (mehr nimmt das Wasser unter normalen Bedingungen nicht auf). Dann war das Salz bereit, um in der Siedepfanne gekocht zu werden und nachdem das Wasser verdunstet war, blieb das Friesensalz übrig.

Die Siedepfannen waren aus Blei und hingen an dicken Balken über den Torffeuern, die mit normalem Torf aus dem Moor befeuert wurden. Das zurückbleibende graue Friesensalz musste nun nur noch getrocknet werden, dann konnte man es verwenden. Es entspricht im Aussehen nicht so ganz unseren heutigen Vorstellungen von Salz, aber wenn man Fische damit einlegt, so fällt die graue Farbe nicht weiter auf.

Auch die Fische sind ein wichtiger Faktor in dieser Geschichte. Da es im Mittelalter bis zu 200 Fastentage im Jahr gab, wo der Verzehr von Fleisch warmblütiger Tieren verboten war, gab es dafür einen sehr großen Markt. Um die Seefische, die die Friesen fingen, jedoch auch in weiter entfernte Gegenden verkaufen zu können, mussten diese zunächst haltbar gemacht werden. Dies tat man mit dem selbst produzierten Friesensalz.

Die geschilderte Art der Salzgewinnung haben die Friesen an der gesamten Nordseeküste, also von Belgien bis Jütland in einem Zeitraum von der Römerzeit bis ins 17.Jh. betrieben. Das Salz war neben Bernstein das wichtigste Handelsgut der Friesen. Das, was sie nicht selbst zum Konservieren oder würzen ihrer Lebensmittel brauchten, wurde bis ins Rheinland verkauft.

1782 hat der letzte Salzsieder in Nordfriesland seine Siedehütte wegen der zu hohen Produktionskosten und der starken Konkurrenz aus Städten wie Lüneburg geschlossen. Da die Salzgewinnung in Lüneburg so um das Jahr 1000 begann, haben die Friesen trotzdem noch ca. 800 Jahre parallel dazu ihr Friesensalz produziert.

Zu der Zeit waren die Friesen ein freies und reiches Volk, welches sich durch so manche Besonderheit auszeichnete. So hatten sie kein Feudalsystem sondern gewählte Häuptlinge, und mit den Küren schon so eine Art Grundgesetzt, welches auch sehr stark die Rechte der Frauen schützte.

Der Reichtum war so groß, dass man die Kleider der Frauen mit Goldplättchen schmücken konnte. Eine solche Tracht ist heute noch im Heimatmuseum in der Windmühle in Esens zu sehen.

Nun blieb der Torfabbau im Watt allerdings nicht ohne Folgen. Immer wen die Winterstürme kamen, wurde rund um die Abbaugebiete Land weggespült.

Bekannteste Opfer dieser Landverluste sind die Stadt Rungholt vor Schleswig-Holstein, eine Insel vor Norddeich und der Jadebusen, der unter anderem durch den Salztorf Abbau entstand.

Aber die Friesen haben nicht nur Land verloren, sondern auch mit dem Goldenen Ring vom 9.bis zum 11. Jh. den ersten Nordseedeich gebaut, welcher dann im Weiteren immer weiter erhöht wurde. Und dies alles nur mit Schaufeln!

Einige der geschilderten Salzgewinnungsschritte kann man seit Anfang 2011 auf Mittelalter Märkten am Stand von Hindrik de Sölter anschauen. Dort kann man auch feststellen, dass Salz nicht gleich Salz ist und Gourmetsalze erwerben.

Weitere Info´s bei Hindrik de Sölter: www.hindrikdesoelter.de, Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.